Text:  Prof. Kirner, Fotos: Prof. Gössinger

Der 98-jährige Zeitzeuge Eric Sanders besuchte am 1. Oktober 2018 das Goethe-Gymnasium, um den SchülerInnen der 6. Klassen über sein Leben zu erzählen.
 

Eric Sanders, heute 98 Jahre alt und ehemaliger Schüler in der Astgasse, war als Jude, nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, gezwungen nach England zu emigrieren. Er ist als Zeitzeuge aktiv daran beteiligt, Schülerinnen und Schülern eine Zeit näher zu bringen, welche diese meist nur noch aus Büchern und Filmen kennen. So besuchte er am 1. Oktober bereits zum wiederholten Mal unsere Schule und stand auf der Bühne des Festsaals den Schülerinnen und Schülern der sechsten Klassen, sowie zwei Gruppen aus dem Gymnasium Linzerstrasse, Rede und Antwort.
 
Prof. E. Fischer, Prof. Warmuth, Dir. HR Dr. Kopeszki
Eric Sanders, Prof. Kirner
 
Das Beeindruckende an Eric Sanders sind nicht bloß sein hohes Alter und seine dafür gute körperliche Verfassung, sondern die Leichtigkeit und der Charme mit welchem er aus seinem spektakulären Leben zu erzählen vermag. Es gelingt ihm, den damaligen Schulalltag oder gelegentliche Ski-Ausflüge nach dem Unterricht gleichermaßen interessant zu vermitteln, wie den Moment, als Adolf Hitler im offenen Jeep an ihm vorbeifuhr und ihm klar wurde, dass er das Land verlassen müsse. Sein Kriegseinsatz in Nordfrankreich auf alliierter Seite als waffenloser Soldat (da „deutsche“ Flüchtlinge Spione hätten sein können) oder seine vermittelnde Tätigkeit als Dolmetscher in einem britischen Kriegsgefangenenlager sind Episoden, die man sonst selten zu hören bekommt und deren Spannung auch nach 70 Jahren noch nicht nachgelassen hat.
 
 
 
Hintergrund:
Eric Sanders wurde 1919 als Ignaz Schwarz in eine jüdische Wiener Familie geboren und besuchte die Oberstufe der damaligen „Goethe-Realschule“ in der Astgasse, als Österreich am 12.März 1938 in das Deutsche Reich einverleibt wurde. Als Jude wurde er bereits am darauffolgenden Tag, sowie zahlreiche andere jüdische Schüler und Lehrer, der Schule verwiesen. Eine Gedenktafel im Foyer des Goethe-Gymnasiums erinnert an jene Vertriebenen. Es gelang Sanders jedoch rechtzeitig nach England zu emigrieren, wo er nach dem Krieg als Lehrer arbeitete und wo er bis heute mit seiner Familie lebt. Er blieb Wien und dem Goethe-Gymnasium aber als Freund und Zeitzeuge erhalten. Wir freuen uns auf seinen nächsten Besuch!