Text und Fotos: Prof. Hofer

 
4C beim Weltklimastreik am 29.11.2019

Die globale Klimakrise ist in den Köpfen aller Menschen und beschäftigt gerade auch die Jugend. Bei vielen Jugendlichen ist der Wunsch stark, selber etwas beizutragen, tätig zu werden, um die Situation und die Zukunftsaussichten zu verbessern.
 
Und gerade in diesem Wunsch steckt ein wunderbares Lernpotential, ist es doch ein didaktischer Grundsatz, an die Interessenswelt der Schüler/innen anzuknüpfen. Somit drängt sich dieses Thema geradezu auf, um das als theoretisch empfundene Schulwissen zu nutzen und dieses für die Schüler/innen in einen praktischen Sinnzusammenhang zu bringen, sprich es in ihrer Lebenswelt wirksam zu machen.
In den verschiedensten Fächern wie Biologie, Physik, Geographie kann das Klima und dazugehörige Komponenten, wie erneuerbare Energie, ökologisches Wirtschaften etc. betrachtet werden. In den Fremdsprachen kann die für Schüler/innen so interessante Thematik anhand von Artikeln diskutiert werden und auch Kreativfächer können zu einer originellen Umsetzung der zu diesem Thema gesammelten Gedanken zum Beispiel in Form von Plakaten, Raps uvm. beitragen.
 
Dann aber geht es auch um die Umsetzung und/oder um die Verwendung der künstlerischen Produkte im Alltag -und zwar im inner- wie außerschulischen Alltag.
 
 
 
All jenen, die die „Fridays for Future- Demos“ als Schulschwänzerei betrachten, sei somit entgegnet, dass es sicherlich sein mag, dass einzelne Schüler/innen lieber an einer Demonstration teilnehmen, als ihr Hirn in der Schule anzustrengen, aber dem größten Teil der Schüler/innen kann man ernsthaftes Engagement nicht absprechen, ganz zu schweigen vom demokratiepolitischen Lernen. Denn: Mit qualifizierter Information und Argumentation zu protestieren, bedeutet sich in den politischen Meinungsbildungsprozess verantwortlich einzubringen. Dafür haben die SchülerInnen auch ein großes außerschulisches zeitliches Investment erbracht und meines Erachtens wäre es unter diesen Voraussetzungen nicht nur restriktiv sondern kontraproduktiv für die Institution Schule (gewesen), die SchülerInnen für das Leben rüsten soll, ihre Botschaft beim earth strike nicht kundtun zu lassen.
 
 
Die 4C unserer Schule entwickelte vor der Teilnahme an ihrer ersten Demonstration im Klassenverband einen klimafreundlichen Verhaltenskodex und die im Kodex beschriebenen Verhaltensregeln waren nur über einen entsprechenden Mehraufwand und über ein erhöhtes eigenes Engagement umsetzbar. Zum Beispiel ging es darum, beim Klassenmüll eine strenge Mülltrennung vorzunehmen, möglichst wenig in Plastik verpackte Lebensmittel zu konsumieren und doppelt verpackte Produkte so gut wie möglich/ gänzlich zu vermeiden.
Weiters wurde der eigenen Bequemlichkeit zu Leibe gerückt und die Schüler/innen beschlossen, sich so selten wie möglich mit dem Auto zur Schule bringen zu lassen usf.
 
  
 
All jenen, die immer noch behaupten, dass Schüler/innen nicht wirklich an dieser Thematik interessiert sind, denen kann ich hiermit nur widersprechen. Und wenn behauptet wird, dass Schüler/innen lieber „etwas Gescheites“ lernen sollen, dann habe ich das Gefühl, dass den Kritikern nicht bewusst ist, dass ganzheitliches Lernen die wohl effizienteste, nachhaltigste Form zu lernen ist. Vom sinnerfassenden Lesen, Schreiben und Rechnen als Basisfertigkeiten über Spezialwissen aus den verschiedensten Fachbereichen bis hin zum Transfer in Form von kritischem Umgang mit dem eigenen Verhalten in der eigenen Lebenswelt, wie z.B. beim Einkauf als bewusste/r Konsument/in, im Umgang mit Energie uvm. wurde hoch motiviert gelernt.
 
Die zukunftsverändernden Berufe von morgen erfordern eine offene, innovative und auch kritische Geisteshaltung, denn wir stehen vor einer Entwicklung, durch die sich in den nächsten 30 Jahren mehr verändern wird als in den letzten dreihundert Jahren. Daher werden in Zukunft Probleme zu lösen sein, welche wir uns momentan noch gar nicht vorstellen können. Und einer Vorbereitung auf diese Entwicklung sollten wir alle in dem für uns möglichen Rahmen bestmöglich Rechnung tragen, indem wir die intrinsische Motivation unserer Schüler/innen durch ganzheitliches Lernen für ihren Lernprozess sowie jenen der Persönlichkeitsbildung nutzen.