Text: Prof. Kirner,  Fotos: Prof. Gössinger
 
Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 besuchte am 25. April 2018 anlässlich des Jahrestages der Atomkatastrophe von Tschernobyl das Goethe-Gymnasium. Mit dabei waren auch zwei Zeitzeuginnen aus der Ukraine, die von dem Reaktor-Unfall vor 32 Jahren persönlich betroffen und der radioaktiven Strahlung direkt ausgesetzt waren. Sie erzählten den Schülerinnen und Schülern von ihren Erlebnissen. 
 
Der Atomunfall in Tschernobyl am 26. April 1986 war die bisher größte Nuklearkatastrophe der Menschheitsgeschichte. GLOBAL 2000 bietet darum jedes Jahr eine Vortragsreihe für Schulen an, um Aufklärungsarbeit zu leisten.
 
Fabian Baumgartner
 
Nach einem kurzen theoretischen Einstieg über die Funktionsweise eines Kernkraftwerks wurden den Schülerinnen und Schülern beeindruckende Filmausschnitte gezeigt, die in den Tagen unmittelbar nach der Explosion am 26. April 1986 aufgenommen wurden.
 
Reinhard Uhrig
 
 
Danach erläuterte der Atomenergie-Experte Reinhard Uhrig die konkrete Gefahr, die von heute aktiven Kernkraftwerken - auch in unmittelbarer Nähe zu Österreich - ausgeht und was unternommen werden kann, um das Risiko eines weiteren Super-GAUs zumindest zu verringern. Außerdem strich er die zahlreichen Vorteile anderer, weit weniger gefährlichen Formen der Energiegewinnung heraus.
 
Lydia Baidalinova und Natalija Tereshchenko
 
Den wohl bewegendsten Teil dieses Vormittags stellten jedoch die Berichte jener beiden Damen dar, die für diese Vortragsreihe extra aus der Ukraine angereist waren, um den Schülerinnen und Schülern klar zu machen, welche tragischen Folgen die Energiegewinnung mittels Atomkraft haben kann. Natalija Tereshchenko war vor 32 Jahren als Ärztin im Sperrgebiet im Einsatz, um den tausenden Aufräumarbeitern vor Ort medizinische Hilfe zu leisten. Nur eine ihrer damaligen Ärzte-Kolleginnen ist heute noch am Leben, die übrigen starben in den Folgejahren an Krankheiten, die durch die immense Strahlendosis ausgelöst wurden, der die Menschen im Umfeld des Reaktors ausgesetzt waren. Lydia Baidalinova, aufgewachsen in der Nähe des zerstörten Atomkraftwerks, erkrankte als Kind an Leukämie, hatte jedoch das Glück, dass GLOBAL 2000 bereits 1995 das Sozialprojekt "Tschernobyl-Kinder" ins Leben rief, welches ihr und anderen Betroffenen moderne medizinische Hilfe und individuelle Unterstützung ermöglichte. Dessen Leiterin, Yuliya Drumel, berichtete von den Maßnahmen, die mithilfe von Spendengeldern finanziert werden. Dank dieser Unterstützung aus Österreich überlebte Lydia Baidalinova die Krankheit und setzt sich heute aktiv für die Aufklärung über die Gefahren von Atomenergie ein.
 
Yuliya Drumel
 
Nach etwa 90 Minuten des Zuhörens nutzten viele Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums die Chance, Fragen an die beiden Zeitzeuginnen und den Atomexperten zu stellen. Besonders beschäftigten die Jugendlichen dabei die persönlichen Schicksale der Zeitzeuginnen und die Frage, was sie selbst im Falle einer derartigen Situation tun können.
 
 
Die Aufmerksamkeit während der Vorträge und die rege Beteiligung am Publikumsgespräch am Ende bestätigten das große Interesse der anwesenden 4., 5., 6. und 8. Klassen am Thema Atomkraft. Insgesamt nahmen fast 150 Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums an der Veranstaltung teil und erhielten so einen bewegenden Einblick in einen wichtigen Teil unserer Zeitgeschichte.
 
 Reinhard Uhrig, Natalija Tereshchenko, Yuliya Drumel, HR Direktor Kopeszki,  Lydia Baidalinova, Prof. Kirner, Fabian Baumgartner